Architecture Visualisation

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Arte tv documentary

 

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

von Birgit Ochs, 10.02.2013

Bilder von Architektur haben die Realität längst überholt. Sie zeigen Gebäude, die es noch nicht gibt, und verhelfen Planern zu Ruhm, noch bevor ihre Entwürfe gebaut wurden. Zu den Bildermachern für große Architekturbüros gehören Bloomimages aus Hamburg.

Auf den ersten Blick sieht das Bild aus wie ein Schwarzweißfoto. Künstlerisch, ambitioniert. Es zeigt eine Straßenschlucht in New York. Tief und düster. Auf einen der Türme fällt ein Lichtschein, erhellt die Fassade und setzt den Bau mit der Adresse 425 Park Avenue in Szene. Er ist deutlich jünger als seine Nachbarn, das kann man sehen. Und dank der im oberen Teil in sich gedrehten Silhouette strahlt er eine für ein Hochhaus ungewöhnliche Leichtigkeit aus. Entworfen hat ihn Rem Koolhaas’ Architekturbüro OMA.

Tatsächlich steht dieses Gebäude in der berühmten New Yorker Straße gar nicht. Es wird auch nie gebaut werden. Das vermeintliche Foto ist ein Rendering, ein am Computer erzeugtes Bild. Mit ihm treten Architekten in Wettbewerben an, locken Projektentwickler Investoren und versuchen, die Öffentlichkeit für ihr Vorhaben einzunehmen. Der Entwurf des Hochhauses 425 Park Avenue, der auf den ersten Blick so wirkt, als sei er längst Beton und Glas geworden, musste sich im Wettbewerb dem Beitrag von Foster und Partner geschlagen geben.

Es ist ein bisschen wie im Lied „Es möchte echt sein“ der Hamburger Deutschrockgruppe Die Sterne. „Gestern Utopie und heute überholt“ heißt es da. Das kommt einem unwillkürlich in den Sinn, wenn man sich mit der am Computer simulierten Architektur befasst. Allerdings ist das Überholte nicht unbedingt aus der Welt.

Gesendet, gesehen, weitergeleitet und im Gedächtnis eingebrannt

Die Bilder halten sich, wenn sie beeindruckend genug sind. Mit einem einzigen Mausklick binnen Sekunden rund um den Erdball geschickt, angesehen, im Gedächtnis eingebrannt, weitergeleitet und reproduziert, führen manche eine Eigenleben, das sich von der Realität abkoppelt. Von Zaha Hadid gibt es diese zwei Bauten in Tiflis. Oder war das doch nur ein Entwurf, der nie über das Projektstadium hinauskam? Wer weiß das nach der fünften Begegnung mit dem scheinbaren Abbild schon so genau.

Und so verdankt eine ganze Reihe prominenter Architekten ihre Bekanntheit weniger den tatsächlich nach ihren Plänen errichteten Häusern, Museen oder Sportstadien, als der medialen Präsenz ihrer Entwürfe. Das gilt für Graft, denen zudem die Zusammenarbeit mit Brad Pitt geholfen hat, und auch für den mit seinen Simulationen omnipräsenten Dänen Bjark Ingelsen, um nur zwei Namen zu nennen. Dessen Büro BIG scheint überall dabei zu sein, wo Großprojekte entstehen. Jedenfalls erweckt die PR-Abteilung mit einer Bilderflut diesen Eindruck.

Zu besonderem Ruhm kam vor nicht allzu langer Zeit der italienische Architekt Antonino Cardillo. Er hatte seine allesamt ungebauten Entwürfe derart realistisch inszeniert, dass diverse Magazine der optischen Täuschung aufsaßen und die dargestellten Gebäude als besonders gelungene Neubauten feierten. Als der Schwindel aufflog, der Hochstapler bloßgestellt und die Zeitschriften blamiert waren, konterte Cardillo den Vorwurf der Täuschung, es werde doch ohnehin ständig manipuliert – in den Medien wie in der Darstellung von Architektur.

Auf die Fotografie ist kein Verlass

In der Tat haben geschönte Bilder von Bauwerken Tradition. Und keinesfalls lässt sich die Fotografie gegen die Visualisierung als verlässliche Quelle ins Feld führen. Denn auch der ist nicht zu trauen. Da wird der perfekte Winkel gesucht, gern im milden Licht des Abends fotografiert und im Zweifelsfall mit Bildbearbeitungsprogrammen nachgeholfen. Fotokünstler wie Andreas Gursky, Thomas Ruff oder Philipp Schaerer halten sich in ihrer Arbeit ohnehin nicht an das, was das Auge sieht.

Im Rennen um Aufmerksamkeit hat die Nase vorn, wer die besten Bilder vorzeigen kann. Einige der ebenso trügerischen wie beeindruckenden Illusionen entstehen im dritten Stock eines etwas gammeligen Gewerbebaus unweit des Hamburger S-Bahnhofs Sternschanze. Hier sitzt Bloomimages in einem von keinem mit Weichzeichner geglätteten Umfeld. Seit fünf Jahren sind die beiden Architekten und früheren Kommilitonen André Feldewert und Christian Zöllner als Bildermacher im Simulationsgeschäft.

Schon während des Studiums hatten die beiden begonnen, architektonische Ideen am Computer umzusetzen und ihrer Phantasie, ungehemmt von Vorschriften, Budgetbeschränkungen und Bauherrenwünschen, freien Lauf gelassen. Seit damals haben sich die technischen Möglichkeiten rasant entwickelt. Auf Technik allerdings will sich Bloomimages nicht reduzieren lassen. Das Büro genießt den Ruf, nicht unbedingt ein Abbild dessen zu liefern, was sich aus Grundrissen, Schnitt und Ansicht ablesen lässt. Das reicht im digitalen Zeitalter ohnehin nicht aus.

“Die Idee sichtbar machen”

“Die suggestive Kraft ihrer besten Visualisierungen ist nicht die Darstellung von Architektur, sondern der Idee, die ihr innewohnt.” So charakterisiert Kunde Carsten Venus, Partner des Hamburger Architekturbüros Blauraum, die Arbeit von Bloomimages. Für dessen Mitbegründer Christian Zöllner ist die Tugend auch aus der Not geboren: “Die konkreten Informationen sind ohnehin manchmal dürftig”, erzählt er. Es komme vor, dass seine Mitarbeiter und er vom Auftraggeber nur eine Skizze und ein paar Erläuterungen an die Hand bekommen. In langwierigen Telefonaten ergründen die Architekturgrafiker dann, was das von ihnen zu schaffende Bild ausdrücken soll.

Handelt es sich um eine erste Präsentation, einen Wettbewerb oder schon die Vermarktung? Das ist ein gewaltiger Unterschied. Je nachdem fällt die Darstellung eher vage oder schon sehr konkret aus. In einem frühen Stadium fehlen meist die Detailinformationen. Häufig ist der Entwurf noch nicht ausgereift. „Aber mit einer großen Wolke an der passenden Stelle kann man schon manche Leerstelle kaschieren“, gesteht Feldewert und lacht.

Bloomimages zeigt Entwürfe immer in ihrer realen Nachbarschaft. Dazu verwendet das Team Fotografien, in welche die Entwürfe eingefügt werden. Danach wird das Gesamtbild bearbeitet, vor allem die Lichtverhältnisse und der Himmel spielen dabei eine wesentliche Rolle. Je konkreter die Ausgestaltung, desto schwerer wird es, das Unwirkliche vom Wirklichen zu unterscheiden. Oft aber wirken die Bilder zu schön, um wahr zu sein, und dahinter steckt durchaus Absicht. Feldewert und Zöllner reklamieren für sich einen künstlerischen Anspruch.

Mischung aus Kunst und Werbung

Die Mischung aus Kunst und Werbung, denn das vor allem ist ein Rendering, findet in der internationalen Architekturszene ihre Abnehmer: Unter anderem zählen Zaha Hadid, Chipperfield, Sauerbruch Hutton zu den bekannten Kunden der Hamburger. Und eben OMA, die gern die New Yorker Park Avenue um einen Turm bereichert hätten.

Auch Herzog und de Meuron verdanken einen guten Teil ihres internationalen Ansehens den Bildern, die es von ihren Bauwerken gibt. In Deutschland sind die Schweizer Architekten einem breiteren Publikum seit dem Bau der Münchner Allianz Arena bekannt. Ein medialer Coup gelang dem Büro aus Basel mit den Visualisierungen der Elbphilharmonie in Hamburg – in Szene gesetzt von Bloomimages.

Christian Zöllner hatte vor seiner Selbständigkeit für Herzog und de Meuron in Basel gearbeitet. Man kannte ihn, wusste, was er machte, und gab ihm und Feldewert den Auftrag. Es war ihr erster. Die beiden hatten damals nur wenige Wochen Zeit, den Entwurf vor der Pressekonferenz, auf der das Vorhaben vorgestellt werden sollte, vorzeigbar zu machen.

Schnöde Wirklichkeit

Das Bild, das Bloomimages für die Schweizer Kollegen entwarf, war ein grandioser Erfolg: Es überzeugte die Lokalpolitiker und begeisterte die Bürger, die kräftig für das Vorhaben spendeten, während man in anderen Städten mit einer Mischung aus Neid und Bewunderung nach Hamburg blickte, wo dieses prächtige und zugleich auch luftige Konzerthaus entstehen sollte. Mehr als zwei Millionen Mal sollen die Elbphilharmonie-Renderings seitdem veröffentlicht worden sein.

Noch nicht in der Welt, war das Konzerthaus schon ein internationaler Star. Von den Querelen um den Bau und den nur stockenden Fortgang haben dagegen vergleichsweise wenige Menschen etwas mitbekommen. Das Trauerspiel am Kaiserkai ist daher nur schnöde Wirklichkeit. In der gibt es Fehlplanungen, Schlamperei und andere unangenehme Dinge. Doch wer weiß davon schon in New York, Rio oder Tokio, wo die schönen Bilder das Bild prägen?

 
 

bloomimages @ MoMa – Cut’n’Paste: From Architectural Assemblage to Collage City

July 10, 2013 – December 01, 2013  //  The Museum of Modern Art / 11 West 53 Street / New York, NY
 
bloomimages_moma_cut_n_paste

 

 

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